Die bittere Ironie der deutschen Reformationsgeschichte besteht darin, dass ausgerechnet die evangelische Kirche gegenwärtig immer schwerer der von den Reformatoren kritisierten katholischen Versuchung widerstehen kann, moralerwartungskonforme Regelbefolgung für den einzig wahren und einzig akzeptanzgarantierenden Heilsweg zu halten. Zumal in der Epoche des Anthropozän, in der auch im Raum der Religion nurdas als wirklich gilt, was vom Menschen gemacht, bewerkstelligt, geregelt, …
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Die Würde des Menschen sollte zwar unantastbar sein. Aber sie ist es nicht. Tagtäglich wird sie angetastet. Etwa dadurch, dass Menschen sich freiwillig auf Formen ihrer eigenen Entwürdigung einlassen. Nicht nur die in Deutschland seit Jahrzehnten verbotene Volksbelustigungspraxis des „Zwergenwerfens“ wirft die moralische Frage auf, ob der Schutz der Menschenwürde unter Umständen auch darin besteht, die Selbstbestimmung vor sich selbst und …
Ich plädiere trotz aller nachvollziehbaren und berechtigten Kirchenkritik dafür, den noch immer großen Kirchen die Treue zu halten, statt ihnen den Rücken zu kehren. Es könnte nämlich der Tag anbrechen, an dem den Kindern der Aufklärung und der Säkularisierung zu dämmern beginnt, dass sie diese Kirchen schmerzlich vermissen werden – spätestens dann, wenn in Europa nichts mehr an den Geist …
„Wir brauchen eine Sprache, die weder in charismatischen Naivitäten noch in reinem Moralismus oder in der Binsenweisheit von Friseur- oder Wartezimmerzeitschrifen steckenbleibt. Es geht um die Erinnerung an eine Dimension der Wirklichkeit, die größer ist als wir selbst. Wenn die Kirche das nicht mehr anspricht, können wir zusperren.“ — Daniel Staffen-Quandt und Christiane Ried haben mit mir über die Kirchenkritik …
Wes Geistes Kinder sind eigentlich Christen? Und wie sieht das eigentliche Bekenntnis des modernen Protestantismus aus? In meinem Pfingsttext für die Website des Forums Kirche & Theologie habe ich ein wenig darüber nachgedacht und meiner Hoffnung auf einen theologischen Klimawandel und auf ein Pfingstwunder Ausdruck verliehen. Aber lesen Sie selbst. Und zwar hier.
Das aktuelle Heft der Zeitschrift „Streit-Kultur. Journal für Theologie“ zum Thema „Machtlos? Evangelische Kirche(n) und ihre Potenziale“ ist erschienen. Ich habe für das Heft einen Beitrag verfasst. Darin vertrete ich die These, dass eine Theologie, die dem Verfall Gottes verfällt, sich selbst dem Verfall preisgibt. Was ich schreibe, lässt sich auch als kleine theologische Ernährungsberatung lesen. Ich plädiere nämlich allen …
So, wie Staaten an zu viel Staat zugrundegehen können, können Kirchen an zu viel Kirchenleitung zugrundegehen. Wenn die Volkskirche immer weniger Gemeinde wagt und immer mehr Behörde wird, werden die Ressourcen versiegen. Das Geld für die Kirche sollte daher von dorther kommen und dorthin fließen, wo die Identifikation mit der Kirche am größten ist. Dann würde die Volkskirche ihrem Namen …
IDEA: „Herr Professor Frisch, was gehört in eine gute Osterpredigt?“ Ralf Frisch: „Selbstverständlich die Botschaft, dass die Auferstehung der Toten alles ändert und die Trostlosigkeit unserer Existenz zum Licht wendet. Das gehört nicht nur in eine gute Osterpredigt, sondern in jede Beerdigungspredigt. Der Osterglaube bewährt sich an offenen Gräbern.“ Lesen Sie im aktuellen IDEA-Magazin und auf idea.de mein Osterinterview. Hier können Sie …
Auf seine alten Tage hat Jürgen Habermas mehr denn je den Mehrwert des christlichen Glaubens gegen dessen verdünnisierte Selbstsäkularisierungen und post- oder neotheologische Versuchungen verteidigt und sich dabei an seinen Lehrer Theodor W. Adorno erinnert, der eine von Transzendenz entkernte Theologie als Theologie „oben ohne“ bezeichnete. Und zwar deshalb, weil sie keinen Gott, sondern nur noch einen leeren Himmel über sich hat …
Alle Jahre wieder will es mir scheinen, als bemächtige sich eine Art Weihnachtsdämon der theologischen Zunft, die in der Zeit vor dem Heiligen Abend über ihren Predigten sitzt. Dieser Weihnachtsdämon hat einen Namen. Er heißt Selbstsäkularisierung und verspricht Aufmerksamkeit durch Anschluss an den entchristlichten Zeitgeist. Und weil das verführerisch ist, suchen viele Predigtschreiberinnen und Predigtschreiber ihr Heiligabendheil in der Flucht …









